Die Ausstellung „Mythos Wald“ ist der dritte Teil einer Trilogie, welche unsere Erde und ihre Lebensräume zeigt, erklärt und ihre Zerbrechlichkeit beschreibt. Die 8b besuchte die Ausstellung im Rahmen einer Bio-Exkursion.
Eine Reportage des Autorenteams Till B., Musab und Philipp feat. CKE
Alles wird dunkler und leiser, als wir das eiserne Monstrum betreten. Es ist eine andere Atmosphäre als draußen. Eine Vielzahl von einzeln ausgeleuchteten Ausstellungsstücken zeigen sich uns in der Dunkelheit des großen Raumes. Doch eines sticht heraus: Ein mächtiges Skelett, welches uns am Beginn des Rundgangs anstarrt. Das Skelett stammt von einem eiszeitlichen Säugetier, einem Mitglied der Hirschfamilie, wie sich an seinem imposanten Geweih direkt vermuten lässt. Angesichts seiner Größe wirkt sein Name Riesenhirsch mehr als berechtigt.
Das eiserne Monstrum, in dem wir uns nun bewegen – ein gigantisches dunkelgraues Fass aus Stahl –, gehört in eine vergleichbare Klasse wie der Hirsch: es handelt sich um Europas größten Scheibengasometer. 118 Meter ragt er in die Höhe und misst ca. 68 Meter im Durchmesser. 1929 wurde er in Betrieb genommen und dient nach einem Umbau seit 1994 als Ausstellungshalle.
Die von unserer Klassenlehrerin Frau Marquardt organisierte Bio-Exkursion, die uns heute am 29.4. nach Oberhausen geführt hat, bietet uns mit der Ausstellung „Mythos Wald“ nicht nur Einblicke in die verschiedenen Ausprägungen dieses Ökosystems weltweit, sondern durch das Gebäude auch ein Stück Industriegeschichte.
Dass in der riesigen Blechdose einmal Gichtgase – ein Abfallprodukt der umliegenden Stahlindustrie – und später energetisch höherwertiger Koksgase der Kokerei Osterfeld gespeichert wurde, können wir uns erstmal nicht richtig vorstellen. Das ändert sich aber mit den Erklärungen unseres Guides Nils Kloth: Er erzählt uns, dass die über uns befestigte Gasdruckscheibe, die heute als erste Etage des Ausstellungsgebäudes dient, mit ihrem Gesamtgewicht von nicht weniger als 1207 Tonnen auf dem von unten in den Gasometer eingeleiteten Gas schwamm und so den Druck zu seiner Weiterleitung erzeugte.
Im Erdgeschoss und auf der ersten Etage schlängelt sich unser Weg vorbei an beeindruckenden großformatigen Fotoarbeiten und Vitrinen mit ausgestopften Tieren. Auf einem Foto zieht sich ein Gewirr von gelben Linien durch das Unterholz – die Langzeitbelichtung der Flugwege von Leuchtkäfern fasziniert uns. Mit dem Kugelspringer lernen wir einen besonderen Akrobaten des Waldes kennen – er ist zwar nur 1,8 mm groß, erreicht bei seinen Sprüngen aber das 60fache seiner Körpergröße und vollführt dabei bis zu maximal unglaubliche 368 Rückwärtssaltos pro Sekunde!
Während es im Untergeschoss hauptsächlich um europäische Wälder geht, betreten wir mit der ersten Etage die Wälder Afrikas und Amazoniens. Auch hier überraschen die gezeigten Waldbewohner – etwa die Aufnahme eines farbenprächtigen Tukans oder eines rosafarbenen Wald-Delfins. Nils Kloth führt uns hier aber vor allem zu den Aufnahmen, die Gefährdungen der einmaligen Ökosysteme durch uns Menschen zeigen: Eine riesige in den Urwald Yucatáns geschlagene Schneise, auf der eine Bahnstrecke entstehen soll; Terrassen einer gerade abgeholzten Ölpalmenmonokultur, auf denen eine Elefantenfamilie herumirrt; ein getöteter Berggorilla, den Kriminelle zur Einschüchterung der Behörden erschossen haben, damit diese die Ermittlungen zu illegalen Rodungen einstellen. Die Ausführungen von Nils Kloth zu diesen Themen sind bedrückend, aber er legt auch ein paar passende Verhaltensweisen nahe: Auf Palmölprodukte sollte man besser verzichten und ebenfalls auf Holzkohle aus dem tropischen Regenwald – auch wenn die Hersteller mit verschiedenen Kennzeichnungstricks versuchen, die Zusammensetzung und die Herkunft ihrer Produkte zu verschleiern.
Staunenswert schön wird es auf der zweiten Etage des Gasometers: Ungläubig steigen wir die schmale Treppe hinauf, denn über uns hebt sich ein übergroßer Lichtbaum in die Höhe. Fraglos das Highlight der Schau: Die eigens für die Ausstellung geschaffene Indoor-Lichtinstallation „Der Baum“ wächst 35 Meter hoch in den dunklen Raum des Gasometers. Das Kunstwerk gibt den Blick frei auf die Prozesse am und im Baum während eines Jahreslaufes. Zehn Kapitel zeigt die Lichtskulptur mit spektakulären Animationen: Erwachen, Wasseraufnahme, Aufblühen, Nähr- und Botenstoffe, Sonnenblinzeln, Regen, goldener Herbst, Winternacht, Blitz und Traumzeit. Die Sitzsäcke unter dem Kunstwerk laden dazu ein – unterstützt von der zur Installation gehörenden Musik -, sich in den Baum hineinzuträumen.
Und mit noch einer weiteren Attraktion wartet die Ausstellung auf: Mit dem Fahrstuhl geht es hinauf und der eben noch überragend große erscheinende Baum kommt erst auf Augenhöhe und schrumpft dann spektakulär unter einem zusammen, weil 35 Meter dann doch wenig sind in einer 181 Meter hohen Stahltonne. Oben angekommen bietet sich vom Dach des Gasometers ein weit in die Ferne reichender Rundblick.